Pantomime Pablo Zibes im Interview

Pantomime – jetzt in der Kultur-Journal

Projekt

Kultur-Journal
Informationsdienst für die Theaterarbeit in Städten und Gemeinden,
herausgegeben von der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen.
INTHEGA
Redaktion:
Dr. Sven Scherz-Schade 

Zwischen Stille und Staunen

Stuttgart. Der 1971 in Argentinien geborene Pantomime Pablo Zibes fand seinen Weg zur nonverbalen Kunst nicht über klassische Bühnenkarrieren, sondern über die Straße und über eine Reise. Ausgebildet an einer Schauspielschule in Buenos Aires, zog es ihn Anfang der 1990er Jahre nach Europa. Mit Rucksack und ersten Pantomime-Ideen entwickelte er seine Kunst unterwegs weiter und spielte sich von Land zu Land. Engagements führten ihn bis nach Asien, unter anderem nach Hongkong und Taiwan. Heute lebt Zibes in Deutschland und arbeitet international als Solokünstler und mit innovativen Formaten. Gleichzeitig engagiert er sich für die Vernetzung der Szene, etwa mit der Plattform pantomime-mime.com.

Herr Zibes, Sie sind ursprünglich Schauspieler. Wie sind Sie zur Pantomime gekommen?

Eigentlich war das kein klarer Entschluss. Ich wollte immer Schauspieler sein und habe auch eine entsprechende Ausbildung in Buenos Aires gemacht. Die Pantomime kam eher als Werkzeug dazu und wurde dann auf meiner Reise durch Europa plötzlich zentral. Ich hatte wenig Geld, wollte aber ein Jahr unterwegs sein. Also habe ich angefangen, auf der Straße zu spielen. Und da habe ich gemerkt: Diese Kunst funktioniert überall, unabhängig von Sprache. So hat mich die Pantomime eigentlich ‚gefunden‘.

Sie haben früh international gearbeitet. Welche Rolle spielte diese Erfahrung für Ihre Entwicklung?

Eine große. Ich war Anfang der 1990er Jahre in China, Hongkong und Taiwan unterwegs. Ich konnte dort auftreten, obwohl ich die Sprache nicht sprach. Das war eine echte Entdeckungsreise für mich selbst, aber auch für die Möglichkeiten der Kunst. Ich habe verstanden, dass Pantomime universell ist.

Inwiefern prägt Ihre argentinische Herkunft Ihre Arbeit?

Sehr stark. Und ja, es gibt kulturelle Unterschiede. Ich glaube, wir Argentinier haben eine große Spontaneität und Improvisationsfreude, vielleicht auch, weil wir gelernt haben, aus der Dauer-Not in Argentinien eine Tugend zu machen. Das hilft mir auf der Bühne. Mein Humor, meine Offenheit gegenüber Menschen, auch meine Körperlichkeit fließen in meine Arbeit ein. Wir sind expressive Menschen, wir sprechen viel mit Händen und Gesten. Für einen Pantomimen ist das natürlich ein Vorteil.

Wie entwickeln Sie Ihre Stücke? Eher aus der Bewegung heraus oder dramaturgisch?

Ich komme vom Schauspiel, deshalb steht bei mir meist die Geschichte am Anfang, mit Konflikt und Auflösung. Ich arbeite viel mit Bildern. Manchmal suche ich visuelle Impulse oder entwickle eigene. Daraus entsteht eine Struktur, die ich dann in Bewegung übersetze. Die Musik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Und ich tausche mich bewusst auch mit Menschen außerhalb der Kunst aus, weil sie oft ganz andere Perspektiven einbringen.

Mit PantoMagic verbinden Sie Pantomime und Zauberkunst. Wie kam es dazu?

Während der Corona-Zeit hatten wir alle viel Zeit und haben dies als Chance genutzt, um uns neuen kreativen Projekten zu widmen und sie auszuprobieren.
Wir haben angefangen zu experimentieren und gemerkt, wie nah sich unsere Künste eigentlich sind. Auch ich erschaffe als Pantomime eine Illusion. Eine Wand, eine Tür. Alles entsteht im Kopf des Publikums. Diese Verbindung weiterzudenken, war spannend. Herausgekommen ist ein Format, das klassische Zauberelemente mit Schauspiel, Pantomime und viel Poesie verbindet.

Sie sind regelmäßig in der Gastspielbranche unterwegs. Wie erleben Sie diese Szene?

Ich kenne den Kulturbetrieb bereits seit langem und war glücklich, dass unser Format dort so gut ankommt. Die Reaktionen – etwa auf der INTHEGA oder der Internationalen Kulturbörse Freiburg – waren durchweg ausnahmslos positiv. Viele Veranstalter suchen gezielt nach innovativen Formaten, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

Welche Rolle kann die Pantomime heute im Kulturangebot spielen?

Leider ist sie in Deutschland nicht sehr präsent. Es gibt nur wenige aktive Künstler, kaum Ausbildungsstätten. Das war früher anders. In Ländern wie Frankreich oder auch in Lateinamerika ist die Pantomime viel lebendiger. Ich sehe darin aber auch eine Chance. Gerade weil sie so selten ist, kann sie ein besonderes Angebot sein. Sie erreicht Menschen unmittelbar, ohne sprachliche Barrieren.

Was macht für Sie eine gelungene Vorstellung aus?

Natürlich der Applaus. Aber noch wichtiger sind die Begegnungen danach. Wir gehen oft zum Foyer und sprechen mit den Zuschauern. Wenn jemand sagt: ‚Ich habe lange nicht mehr so gelacht‘, dann weiß ich, dass es funktioniert hat.

Sie sprechen das Lachen an. Ist das ein zentraler Aspekt Ihrer Arbeit?

Absolut! Gerade in schwierigen Zeiten! Ich habe sofort gemerkt, wie wichtig Lachen ist – es hilft, verbindet und schafft Leichtigkeit. Unsere erste Testaufführung während Corona war ein besonderer Moment: Die Menschen haben sofort gelacht, und das hat mir gezeigt, wie sehr wir alle diese Auszeit vom Alltag brauchen. Kunst kann für 90 Minuten eine andere Welt eröffnen, in der wir gemeinsam lachen und uns verbunden fühlen. Das ist für mich ein zentraler Antrieb.