Ein lauter Weckruf der leisen Kunst.

Projekt

Fotografin : Karin Mertens, www.kame-foto.de

Location:
Komödie im Marquardt
Renitenz-Theater
Gloria-Kino
Wagenhallen

In dieser stillen Zeit kann man vielem Neuen lauschen, sogar den lautlosen Schreien eines Pantomimen. Mit der Kraft der Stille versucht Pablo sich vor den leeren Sälen Stuttgarts Gehör zu verschaffen.
Als Pantomime bricht er sein Schweigen, erhebt seine Stimme und weist auf die Notlage der Kreativbranche hin.
Eine laute Aktion, die leise Töne anschlägt und einen Systemwechsel verlangt, der allen Beschäftigten auf und hinter der Bühne ein würdiges Leben ermöglicht.
Ein geräuschvolles Zeichen setzen, gegen das, was passieren könnte, wenn Kunst und Kultur verstummen.

Wenn nichts passiert, wird es in den kommenden Jahren wirklich sehr, sehr still. Ein leiser Tod der Kulturvielfalt greift um sich.

Es gibt verschiedene Arten von Stille. Es gibt die, die gewollt ist, die instrumentalisiert wird, die eine künstlerische Darbietung unterstützt, eventuell sogar erbaut, die, die eine konstruktive Säule bildet. Die, die ein Pantomime für den Auftritt braucht.

Und dann gibt es die Art von Stille, die erzwungen ist. Die Art, die unfreiwillig auferlegt ist. Die, die man zum Wohl aller beachten muss.
Es ist diese Stille, die ich als Pantomime, wie viele andere Künstler:innen und Kulturschaffende seit dem Anfang der Pandemie erleben.

Eine Stille, die zwar der Situation geschuldet und logisch, dennoch aber überaus mühsam ist. Ohne Kunst und Kultur sind unsere Sinne teilweise sinnlos. Denn wir brauchen sie zu mehr als nur zur Navigation durch die Welt, wir brauchen sie auch, um eines unserer menschlichsten Bedürfnisse zu befriedigen: den Willen, neues zu erleben, sich selbst in etwas hineinzuversetzen, die eigene Weltanschauung zu erweitern, sich selbst weiterzuentwickeln.

Kunst und Kultur haben eine gesellschaftskonstituierende Funktion. Sie sind „systemrelevant“. Denn sie schaffen das Miteinander, das wir heutzutage am meisten brauchen. Das Miteinander, das derzeit zwar ein distanziertes Zusammensein ist, das aber dennoch durch Kunst und Kultur, die wie ein sozialer Kleber funktionieren, zusammengehalten wird.

Die finanzielle Unterstützung für Kunst- und Kulturschaffende ist jedoch im generellen Sinne nicht ausreichend, viele haben Angst um ihre Existenz. Ein Leben nach der Pandemie könnte eine Kunstkrise bedeuten. Denn die Kunstlandschaft wird eine gewisse Zeit brauchen, um sich regenerieren zu können. Diese Regenerationsphase kann nur durch jetzige Unterstützung gewährleistet werden. Finanziell, aber auch ganz einfach diskursiv.

Man spricht zu wenig über uns. Auch hier bleibt es still.

Künstler:innen sind seit Beginn der Pandemie vom Rampenlicht ins Abseits gerückt. Die Bühne wurde genommen und mit ihr auch der Diskurs. Wer jetzt Kunst macht, steht nicht mehr in der Öffentlichkeit. Wer jetzt Kunst macht, bleibt versteckt, bleibt weggeworfen, bleibt auf einer leeren Bühne vor leerem Saal.
Sowohl im übertragenen Sinn als auch im wörtlichen.

Es ist klar, dass es so sein muss.
Doch ist nicht klar, dass es exakt so sein muss. Nach einem ganzen Jahr ohne ausreichende Förderungen befinden sich viele Künstler:innen vor dem Aus.
Deshalb braucht es Veränderung, und sei es nur schritt- und versuchsweise.

Denn, auch wenn dies derzeit nicht so wie früher möglich ist, ist die Freude auf das Publikum, die Freude auf ein Wiederaufblühen der Kunst groß.
Und auch, wenn es jetzt noch still bleibt, können wir hoffentlich bald wieder gemeinsam lachen.


Was uns sehr freut ist, dass Uwe Bogen (Journalist bei der Stuttgarter Zeitung) hat einen Zeitungsartikel mit unseren Arbeiten darüber verfasst.

Link Zeitungsartikel

Ein großes Dank auch an die Unterstützung von www.ohnekunstundkulturwirdsstill.de